Flackturm mit passender Statik - das Haus des Meeres
Die Geschichte des Hauses beginnt nicht mit einem Aquarium, sondern mit einem Bunker. Zwischen 1943 und 1944 entstand im sechsten Wiener Gemeindebezirk ein Flakturm, dessen Betonwände stellenweise dreieinhalb Meter dick sind. Nach dem Krieg wurde das Gebäude zunächst anderweitig genutzt, bevor sich ab 1957 schrittweise ein Zoo über die Stockwerke ausbreitete. Der Umbau eines Wehrbaus zum Lebensraum für Haie, Riffbarsche und tropische Frösche stellt bis heute besondere technische Anforderungen. Vor allem große Aquarien bringen erhebliche zusätzliche Lasten mit sich. Jede Erweiterung erfordert deshalb sorgfältige statische Berechnungen in einem Bauwerk, das ursprünglich weder für große Wasserbecken noch für seine heutige Nutzung konzipiert wurde.
Welche Anforderungen der Umbau stellte, zeigt der neue Vorbau vor dem historischen Flakturm. Rund 3.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche entstanden, ergänzt durch zwei neue Aufzüge, darunter ein Panoramalift, und eine erweiterte Dachterrasse. Der Bestand aus den 1940er-Jahren war weder für die zusätzlichen Lasten noch für heutige Anforderungen an den Brandschutz ausgelegt. Tragwerk, Fluchtwege und Haustechnik mussten deshalb umfassend neu geplant werden. Bemerkenswert lange blieb ein Aufzug aus der Bauzeit in Betrieb: Erst 1997 wurde er im Zuge der Erweiterungen ersetzt. Heute reicht der Weg für Besucher vom Erdgeschoss bis zur Aussichtsplattform über den Dächern Wiens. Dass der ehemalige Wehrbau Aquarien, Besucherbereiche und Gastronomie aufnehmen kann, ist das Ergebnis aufwendiger Planung und statischer Anpassungen.
Klimaschutz beginnt beim Haus des Meeres auf dem eigenen Dach. Gemeinsam mit Wien Energie wurde in 56 Metern Höhe eine Photovoltaikanlage mit 202 bifazialen Glasmodulen installiert. Auf rund 800 Quadratmetern erzeugt sie rechnerisch etwa 63.300 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Den weiteren Strombedarf deckt Wasserkraft, hinzu kommt eine begrünte Fassade. Parallel beteiligt sich das Haus an Nachzuchtprogrammen für gefährdete Arten wie Seepferdchen, Titicaca-Wasserfrösche und die Bayerische Kleinwühlmaus. Die hauseigene Forschungsgesellschaft unterstützt zudem wissenschaftliche Arbeiten und vergibt Stipendien für Projekte zum Meeresschutz. Einen besonderen Schwerpunkt bilden mexikanische Kärpflinge: In mehr als hundert Aquarien werden rund sechzig, teilweise stark gefährdete Populationen gepflegt. Damit verbindet das Haus technische Maßnahmen zum Klimaschutz unmittelbar mit konkreter Arbeit zur Erhaltung bedrohter Arten.
Artenschutz und Forschung kosten Geld, das der laufende Betrieb allein nicht vollständig abdeckt. Das Haus des Meeres ist eine gemeinnützige Privatstiftung und finanziert sich überwiegend selbst; öffentliche Zuschüsse machen nur einen kleinen Teil des Budgets aus. Spenden unterstützen unter anderem Futter, Zuchtprogramme, Forschung und Umweltbildung. Sie können frei oder zweckgebunden für einzelne Tiere geleistet werden und sind steuerlich absetzbar. Eine ungewöhnliche Möglichkeit bietet der digitale Spendenkorb: Dort lassen sich beispielsweise Obst, Gemüse oder Fleisch für bestimmte Tiere auswählen. Direkte Überweisungen sind an die Haus des Meeres Aqua Terra Zoo GmbH bei der Bank Austria möglich, IBAN AT57 1200 0100 0032 3369. Die Beiträge helfen, die Arbeit für bedrohte Arten langfristig zu finanzieren.


